Theateraufführung „der Steppenwolf“- ein Interview mit Deutschlehrerin Kristina Hütter-Künstle

Wie kam diese interessante Aufführung an unserer Schule zustande?

KHK:  „Unsere Schule versucht neue Wege zu gehen, um für unsre Schüler, die ja an einer technischen Schule und nicht an einem allgemeinbildenden Gymnasium sind, Zugänge zur Literatur zu schaffen. Eher technikaffine Schülerinnen und Schüler, so wie bei uns, sind oft nicht so geisteswissenschaftlich geschult -oder interessiert-  wie die Schüler an einem allgemeinbildenden Gymnasium. Nachdem ich einen Flyer gesehen hatte, folgte ein Telefonat mit dem Schauspieler, und dann lief die Organisation der Aufführung seit dem Juli letzten Jahres an.“

Wie wurden die SuS auf die Aufführung vorbereitet?

KHK: „Durch eine systematische Werkanalyse. Darüber hinaus waren wir mit den Schülern auch schon im Landestheater Tübingen (LTT) und im Stuttgarter Staatstheater. Da gab es Theaterstücke zu den Abi-Pflichtlektüren: in Tübingen Goethes „Faust I“, in Stuttgart den „Goldenen Topf“ von E.T.A. Hoffmann. Mit den Theaterbesuchen haben wir versucht, den Schülern einen anderen – visuellen und akustischen - Zugang zu den Texten zu ermögliche. Der Besuch der drei Theateraufführungen ist auch im Hinblick auf den Werksvergleich, der im Abitur verlangt wird, hilfreich.

Inwiefern ist das Theaterstück eine Hilfe?

KHK: „Schüler haben heute andere Sehgewohnheiten, die durch das Internet geprägt sind. Die meisten waren vielleicht noch nie im Theater. In unserem Fall kommt das Theater zu uns in die Aula, direkt zum Schüler. Da ist die Hemmschwelle niedriger. Auch schwächere Schüler werden auf ihrem Niveau abgeholt.“

Wie fanden die Schüler das Stück? Welche Rückmeldungen gab es?

KHK: „ Das Spiel des Schauspielers Julian König fanden die Schauspieler toll. Ebenso die Verzahnung von Technikeinsatz, Projektor und Monitor- mit der Bühnenhandlung. Dadurch, dass die Interpretation des Stückes speziell für Schüler konzipiert war, fanden viele die Darstellung hilfreich und überzeugend.“

Was war für die Schüler, trotz aller schauspielerischen Leistung, immer noch schwierig?

KHK: „Die Schwierigkeit beim Verständnis des „Steppenwolf“ liegt nicht in der Sprache. Die ist einfach. Aber das Buch ist langwierig, Teile wie das „Magische Theater“ sind komplett surreal. Man muss begreifen, dass eine Figur wie Hermine die Mittlerin für den Protagonisten Harry Haller ist, sie führt ihn in die Welt des „Magischen Theaters“ ein. Im „Steppenwolf“ geht es um die Probleme eines 50-Jährigen in der Midlife-Crisis, der für sich ursprünglich beschlossen hat, mit dem 50.Geburtstag sein Leben durch Selbstmord zu beschließen. Diese Thematik ist von der Lebenswelt unserer TG-Schüler, nun ja, einigermaßen weit weg und man kann die Relevanz schon hinterfragen…“

Welche Hilfestellung haben die Schüler beim Lesen des Buches bekommen, auch als Vorbereitung auf die Aufführung?

KHK: „Für die Schüler gab es einen Leseplan, der die eigenständige Lektüre strukturieren und erleichtern sollte. Für eine fundierte Analyse und Interpretation von Textstellen etc. ist es unerlässlich, dass der Text einigermaßen im Hirn verankert ist.“

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