Abdou startet durch

Die Akzeptanz von Geflüchteten, die nach Deutschland gekommen sind lebt auch von Erfolgsgeschichten. Eine solche Geschichte können Abdou Boye aus Gambia und seine Lehrer von der Reutlinger Ferdinand-von-Steinbeis-Schule erzählen. Denn Abdou hat dort auf der Berufsschule gerade seine Abschlussprüfung als Elektroniker für Energie und Gebäudetl_files/Bilder/Fotos_Berichte/Allgemeines/Abdou startet durch/P1170958_klein.jpgtechnik erfolgreich absolviert.

Über die Schweiz ist Abdou 2015 nach der Erstaufnahme beim Karlsruher Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach Reutlingen gekommen. Vorher hatte er in Serekunda, der größten Stadt Gambias, gelebt. „Aber“, so sagt er, „da gibt’s  nix“. In Serekunda hat er auch schon erste Erfahrungen mit Elektrik und Elektroinstallationen gemacht.. Dankbar ist er der Reutlinger Firma Butterstein Elektro über die Chance, die ihm der Inhaber gegeben hat. Das war auch für Abdou der typische Weg, wie man als interessierter junger Mensch heutzutage an eine Stelle kommen kann: sich bei einem Praktikum geschickt zeigen und sich dann im Anschluss, während der Ausbildung, durch Fleiß, Lernwilligkeit und Zuverlässigkeit bewähren.

Hier in Reutlingen lebt Abdou in einem Zimmer, das er selbst bezahlt. In seiner Freizeit spielt er liebend gerne Fußball und fährt Fahrrad, oder er trifft sich mit Freunden- Deutschen und Afrikanern. Er wird von Ehrenamtlichen unterstützt. Eine davon ist Cathy Hammer, Lehrerin am Reutlinger Kepler - Gymnasium. Per Zufall hatte sie Abdou im Herbst 2015 getroffen, kurz vor ihrer zweiten Elternzeit. Gemeinsam mit ihrem Mann half sie Abdou bei der Wohnungssuche, sie sagt, das sei „schwierig“ gewesen. Aber ihre Erfahrung mit Behörden ist, dass Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg ist: „Das meiste funktioniert übers Miteinander-Reden.“ Heute hat Abdou bei Familie Hammer Familienanschluss, er gehört einfach mit dazu. Es ist ein Geben und Nehmen, die Hammers helfen ihm bei der Sprache und bei Formalitäten, er hilft im Garten, bei kleinen Reparaturen, spielt mit den Kindern. Gemeinsam hat die Familie ihm bei der Prüfungsvorbereitung geholfen. Cathy Hammer freut sich, daß Abdou gute Chancen auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung hat, nicht zuletzt wegen des erfolgreichen Schulabschlusses.

Auf der Schule, so gibt Abdou zu, war es nicht immer ganz leicht für ihn, denn Deutsch ist für Ausländer eine schwierige Sprache, die nicht einfach zu erlernen ist. Aber auf die Lehrer an der Steinbeis-Schule läßt Abdou nichts kommen:

„Die Lehrer dort hatten immer ein offenes Ohr für mich. Bei Fragen hatten sie die Zeit, mir die Dinge langsam und verständlich zu erklären.“ Im Gegensatz dazu gäbe es in Gambia fast nur Theorie, die Praxis in Gambia fehle. „Die Leute in Gambia wissen nicht so viel wie ihr hier in Deutschland. It`s a total fail.“ Ein Elektriker dort wisse oft nur, wie man eine Wechselschaltung für zwei Lampen baue, nicht viel mehr.

Trotzdem möchte Abdou in ein paar Jahren wieder nach Gambia zurück. Er findet Photovoltaik sehr spannend und möchte dort Häuser damit ausrüsten.  Außerdem leben seine Mutter und eine Schwester noch dort. Bis dorthin möchte er bei der Firma Butterstein Elektro bleiben. Und er hat zum Schluss noch eine Bitte an die Politiker:

„Bitte baut Schulen in Gambia und hört auf, nur Geld nach Afrika zu schicken. Geld schicken, das hilft nicht, das landet alles nur in einer Tasche.“

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